Magie der Spirale Copyright Sonja Henisch Edition Sonne und Mond ISBN: 978-3-9504897-1-2 LESEPROBEN AMERIKA Weites, weites Land, geraubt, nicht bekommen, von unübersehbarer Größe, mit Himmeln, voll berauschenden Anblicks. Ruhig und gleichmäßig ist dein Herzschlag noch immer, auch wenn kleinere Geister als jemals zuvor auf dir herum irren, um dich zu finden in ihrem selbst. In Orange, Gold und Rot ragen die Farben, die nicht existent sind In die unwirkliche Bläue hinauf. Ich finde es wundervoll. Obwohl ich selbst ebenso unwirklich bin, bin ich Sensor all dieser göttlichen Unwirklichkeit. Und da sitze ich neben den Fällen, neben Chinesen, Indern und Möwen, die jenen Futter abverlangen, obwohl sie mit Grazie in die strudelnde Tiefe hinab tauchen, Magiern gleich, die jede Schwerkraft hinter sich lassen, scheinen im Nebel der Gischt ihre sanften Umrisse auf, um im nächsten Augenblick wieder verschwunden zu sein. Gleißend spricht das morgendliche Sonnenlicht zu ihnen Und erzählt ihnen von den Ewigkeiten, die es hier schon beschienen hat. Absichtslos gleitend lauschen die Vögel Der gewaltigen Stimme des tosenden Wassers neben ihnen. Und da sitze ich noch immer neben den Fällen Absichtslos lauschend, das Tao erfahrend. Wumm, wumm, wumm, ob andere es ebenso hören wie Leila und ich. Was war es, das mich hierher zog Aus ferner Zeit von weit her? Es gibt eine Menge anderer Plätze, die ich in diesem Leben noch aufnehmen möchte in dieses Bewusstsein. Warum nicht Tibet, Petra, Plätze in Indien? In Paris war ich noch nie Und auch nicht in Moskau. Tiefe Tränen voll Glück und voll Traurigkeit habe ich verspürt, trotz all der Schönheit, die es hier gibt. Traurigkeit aus alten Tagen, aus jener Zeit, als meine Haut nicht weiß war, wie jetzt, sondern in einem Olivbraun getönt, so, wie damals, als mein Gesicht mich aus dem Tunnel angeblickt, mit langem, gerade geschnittenem Haar. Dennoch wusste ich, dass es mein Ich war, was immer mich angeblickt hat, weit durch die Zeit. Zeit, die Illusion ist, wie man immer mehr weiß. Also war ich damals und bin heute, fühle Leid, Tod, Liebe, Entbehrung, habe von allem genug. Also bin ich die fliegende Möwe, weit unten im Fall, bin der Fisch in der Tiefe, der Wind rund um mich, bin meine Freundin Leila, die liebevoll mich hierher geführt hat und bin der Sonnenstrahl, der uns umgibt. SARAJEWO Ordentlich aufgeräumt hat man sie wieder, die Stadt. Grüne Wege säumen die Miljacka, fast bis dorthin, wo die alte Burg einst thronte. Hinter Baumkronen versteckt lugen die Ruinen hervor. Malerisch fast - man kann doch in alles Ästhetik hinein projizieren. Aufgeräumt ist das Bazarviertel, voll mit Touristen, die fein verzierte Granathüllen kaufen, als ließe sich das, was geschah, je transformieren. Aufgeräumt ist sie, die Stadt, die während des Krieges durch einen Tunnel versorgt wurde, um die Bewohner nicht verhungern zu lassen, Sauber und aufgeräumt und schön zum Flanieren ist Sarajewo, wäre es nicht rundum von Tausenden weißen Gräbern geziert. BLAU, SO BLAU Blauäugig ein blaues Auge  davontragen, wohin auch immer. Der Stuhlkante die Schuld geben, was sie auch damit anfängt - vielleicht den Schuldschein einlösen? Jedenfalls andere von der Schuld in Kenntnis setzen, dazu dunkelblaue Sonnenbrillen nehmen, um die Bläue ganz deutlich auf der Nase zu tragen. Dabei die Nase in nichts Unpassendes hinein stecken, und endlich dem Schuldigen den Stecken geben. Gib ihm eine milde Gabe! Gib ihm eine aufs Aug. Au! Blau! So blau! GEIL GEGEIZT Der winterlichen Konsumgenossenschaft kann sich kaum einer entziehen, außer er einsiedelt  vor sich hin und entzieht sich der Medienlandschaft. Versucht solch eine renitente Person anstatt schafherdeblökend mitzuspektakeln in die Dunkelheit dieser Zeit ihre tastenden Fühler auszustrecken um in die Seele zu horchen - "Setz dich hin und halt den Mund!", sagte der Zen Meister- gibt es allerhand Konsequenzen. Denn: Religiöse Tendenzen werden strikt geahndet, selbst, wenn sie nicht vorhanden sind. Dafür wird weltweit geil gegeizt, weil wir uns, seit neuestem, laut Werbung, im Winter nur mehr selbst beschenken. SCHEISSE Wir fressen Fertigscheiße gewürzt mit Konservierungsstoffen und Giften. Wir hinterlassen Scheiße und Giftmüll. Wir füttern unsere Hirne mit täglicher Scheiße, die man uns vorsetzt. Von Wirtschaft und Politkern betrogen und verschaukelt wird uns vorgegaukelt wie wichtig es ist unsere Straßen rein zu halten. Nimm ein Sackerl für das Gackerl! Die Vögel scheißen von den Bäumen- wie unsittlich! Leider ist es zu schwierig, auch ihnen ein Puh-Bag umzubinden. Scheiß-Sackerl wäre zu ordinär! Die Gier nimmt überhand- Freud schau oba! Anale Fixierung hat er es genannt! Die ist global geworden. Während die Not zunimmt verbrauchen wir Geld für Scheißplakate! Wie schön waren die Zeiten, als es Sperlinge gab, die den Hafer aus den Roßknödeln pickten, als die Schrebergärtner mit Schaufeln unterwegs waren, und die Reste einsammelten, um die Rosen damit zu düngen, Hundstrümmerl den Rasenrand säumten, ein freilaufender Hund niemand in Panik versetzte, weder Kinder noch Hunde nur in eingezäunten Bereichen spielten und die Menschen sich nicht gegenseitig aufhetzen ließen. Es klingt wie aus einer anderen Zeit. Aber: Nur wo geschissen wird, wird auch gelebt! LICHTERHERZ Am Boden vor mir liegt ein Herz aus Licht. Ich suche die Quelle und finde sie nicht. Herz, aus dem Schatten entstanden, aus Licht gehaucht, liegst du mir zu Füßen und bist mir vertraut. Herz-Schatten, Herz aus Schatten, Schattenherz, Herz-Licht, Herz aus Licht, herzlichst Lichtherz. Du offenbarst Dich.